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Geschichte

Dragon Magazine #241 (Wyrms of the North: Hoondarrh, “Red Rage”)

An einem Wintertag im Jahr der Leeren Hand (896 TZ) wurden die Bewohner von Mintarn von der donnernden Ankunft des gewaltigen roten Drachen Hoondarrh auf den Almen über dem Hafen aufgerüttelt. Verzweifelt griffen ihre zittrigen Hände zu den Waffen um ihr mageres Vieh zu verteidigen - doch sie mussten erstaunt feststellen, dass der Drache gekommen war um zu verhandeln. Die Forderung war einfach: Zahlten sie ihm jedes Jahr eine Goldmünze pro Kopf, ließe er sie alle leben und verteidigte sie sogar vor Piraten.

Sie akzeptieren - die Ältesten zu sich flüsternd, welch andere Wahl blieb ihnen als sich dem Drachen zu fügen? - und wurden erneut überrascht als der Drache der Mannschaft, die die erste Tributzahlung auf einer Insel überbrachten, bis zu zwei Kühe pro Kopf mit nach Hause gab.

Die Weisen haben jahrelang darüber debattiert, welche Motive sich hinter dieser ungewöhnlichen Gütigkeit Hoondarrhs verbergen möge. Elminster zufolge, handelte der Rote Zorn mit den Bewohnern von Mintarn nur um sich einen Ruf zu machen. Während er fröhlich Küstenrouten und -ländereien überfiel, erzählte das Volk von Mintarn jedem, mit dem sie handelten, von dessen unermesslichen Schätzen und dem fallengesicherten Unterschlupf … und so kamen die gierigen Abenteurer, angelockt von der Hoffnung auf Reichtum und Ruhm.

Moonshae, Seite 12

Zwischen 1335 und 1357 TZ hatten die Schiffsbauer aus Mintarn längst die Holzvorkommen der Insel erschöpft. Da sie sie ihrer Arbeit nach wie vor mit Stolz nachgingen, suchten sie nach den Rohstoffen auf den Mondschein-Inseln. Eine Mannschaft aus Schiffsbauern setzten nach Callidyr über, wo sie ein ganzes Jahr damit verbrachten, ein Schiff zu bauen. Dieses Schiff beluden sie dann mit genügend Holz für ein weiteres Schiff und segelten damit nach Mintarn. Dort bauten sie ein zweites Schiff, verkauften beide an den besten aus einem Dutzend Interessenten von der Schwertküste und fuhren dann erneut nach Callidyr um von Neuem zu beginnen.

Forgotten Realms Campaign Setting (2nd Edition), Seite 109

Spätestens ab dem Jahr 1358 TZ wurde Mintarn von dem selbsternannten Tyrann Tarnheel Embuirhan regiert. Seine Tyrannei galt, dem Titel zum Trotz, als weltoffen, aufgeschlossen und freigiebig und vertraute Mintarn in Alltagsangelegenheiten sich selbst an. Tarnheel sorge aber für allgemeine Ordnung (unter gegebenem Anlass auch auf grausame Art), hielt Einzelne davon ab, ihre Ziele durch Gewalt zu erreichen und hielt Piraten, fremde Reiche oder andere Mächte davor ab, die Kontrolle über Mintarn zu erlangen.

Treasures of the Savage Frontiers (video game)

Im Herbst des Jahres 1358 TZ fiel eine kleine Flotte unter der Flagge von Tiefwasser in Mintarn unter dem Vorwand ein, dort ansässige Piraten bekämpfen zu wollen. Soldaten und Monster besetzten den Hafen und die darin liegenden Lagerhäuser der Fünf Kompanien des Westens. Erbost über den vermeintlichen Verrat durch die Lordallianz, bereitete Tarnheel Embuirhan eine Kriegserklärung gegen Tiefwasser vor. Eine Gruppe von Abenteurern konnte jedoch die wahren Drahtzieher entlarven: Die Zhentarim, der Bund des Kraken und die Arkane Bruderschaft aus Luskan hatten den Angriff gemeinsam orchestriert, um einen Konflikt zwischen Mintarn und Tiefwasser zu provozieren. Somit konnte der Krieg im letzten Moment abgewendet werden.

Unter der Aufsicht des Tyrannen Embuirhan wurde auf Mintarn intensiv aufgeforstet. Strenge Gesetze und Regulierungen sorgten dafür, dass die Insel im Jahr 1367 TZ im neuen Grün der Bäume zu alter Schönheit zurückgefunden hatte. Und auch die Schiffsbauer waren von da an weniger auf Importe angewiesen.

Abenteuerhandbuch für die Schwertküste, Seite 66f.

Vor nicht allzu langer Zeit war Mintarn reich. Dagult Neverember investierte große Summen in die Insel, gründete eine Werft, baute Anlagen zur Ausbildung von Kämpfern und verlieh sogar eigenes Geld für den jährlichen Tribut an Hoondarrh, wenn die anderen Mittel nicht reichten. Die Kom­panie der Weißen Segel, in die er investiert hatte, wuchs und wurde Mintarns wichtigster Anbieter von Söldnerschiffen und Söldnern.

Die Lage wurde nur noch besser als Tiefwasser seine Marine auf der Jagd auf nordländische Piraten vergeudete. Dann verließ sich Neverember, der als Offener Fürst von Tiefwasser [orig. Waterdeep] agierte, auf seine Verbindungen mit Mintarn, um eine neue Söldnermarine für die Stadt zu erschaffen. Neverember nahm außerdem die Aufgabe auf sich, Never­winter aus der Asche zu erheben, und warb dafür noch mehr Söldner aus Mintarn an, um seinen Anforderungen als Fürst­protektor der Stadt gerecht zu werden.

Da Reichtümer aus zwei der größten Städte an der Schwertküste die Schatzkammern füllten, erlebte Mintarn einen Wohlstand, von dem seine Bewohner niemals geträumt hatten.

Die Schwierigkeiten begannen, was nicht überrascht, bei Hoondarrh. Auch wenn Mintarn dem großen Drachen jährli­che Tribute erbrachte und immer genau darauf achtete, nicht eine Kupfermünze zu unterschlagen, war der alte Hoondarrh bekannt dafür, Jahrzehnte am Stück zu schlafen, und die Leute von Mintarn nahmen ihr Abkommen mit dem Drachen als gegeben hin. Aber vor einigen Jahren weckte ihn etwas früher auf, und es war, als könne der rote Bastard das Gold riechen, das auf die Insel kam. Auch wenn Mintarn die erfor­derlichen Tribute bezahlt hatte, landete Hoondarrh auf Burg Mintarn, ließ zwei ihrer Türme unter seinem Gewicht zusammenbrechen und forderte brüllend mehr Schätze, jetzt sofort und dann bei zukünftigen Tributen.

Natürlich bemühte sich das Volk von Mintarn, den For­derungen des ungeduldigen Drachen gerecht zu werden. Selbst wenn sie nicht alle Soldaten nach Niewinter [orig. Neverwinter] und Tiefwasser verschifft hätten, was hätten sie gegen den mäch­tigen Hoondarrh tun sollen?

Die Lage spitzte sich noch weiter zu, als Neverember als Offener Fürst von Tiefwasser abgesetzt wurde. Die Fürsten von Tiefwasser haben begonnen, ihre eigene Marine aufzu­bauen, und sie haben den Söldnern aus Mintarn gesagt, sie sollen die Stadt verlassen oder sich der Marine oder den anderen Streitkräften der Stadt anschließen. In Niewinter entschied Fürst Neverember nun ebenfalls, keine Söldner mehr zu nutzen. Er sagt, er wolle die Bewohner von Niewinter mit einem Gefühl des bürgerlichen Stolzes erfüllen, doch viele in Mintarn sehen dies als Verrat. Neverember ist ein verschlagener Mann. Ich denke, dass der Fürstprotektor jetzt, da Hoondarrh aktiv ist, nur versucht, seine Verluste zu minimieren. Er hat den Spitznamen “der Dolch” nicht nur bekommen, weil sein Vorname Dagult ist.

Mintarn hat das Spiel gut gespielt, doch jetzt ist es in eine Ecke gedrängt worden und kann nur noch wenige Züge machen. Die Münzen strömen nicht mehr in die Häfen, und viele der besten und schlauesten Bewohner haben entschieden, die Insel zu verlassen. Es gibt Überlegungen, Abenteurer anzuwerben, um Hoondarrh zu erschlagen, und sein Hort muss wirklich gewaltlig sein. Wenn das nicht ausreicht, um potentielle Drachentöter anzulocken, dann gibt es keine Summen die Mintarn anbieten könnte, um das Angebot reizvoller zu machen.

Alle fünf oder sechs Jahre kommt ein neuer Tyrann - ja, so nennen sie sich - in Mintarn an die Macht und regiert das Inselkönigreich. Sein Ziel ist es, den Status als neutraler Boden und Freihafen zu wahren. Vor einigen Jahren war Ihre Tyrannei Bloeth Embuirhan an der Macht, die angeblich die Urenkelin eines Tyrannen vor einem Jahrhundert war. Sie regierte die Insel in ihren reichsten Tagen, aber es ist wahr­scheinlich, dass die Menschen von Mintarn (und, vielleicht sie selbst, wenn sie schlau ist) jemand anderen auf dem Thron sehen wollen.

Trotz der offenen Häfen und schicken Etablissements ist Mintarn eine dünn besiedelte Insel. Es gibt Bauernhöfe und Weiler, natürlich, aber auch weite, offene Bereiche zwischen ihnen, und genug Land, dass jeder hier bescheiden leben könnte, wenn er möchte.

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  • Last modified: 2021/07/08 01:34
  • by kaikas