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  1. Nur unser glorreicher Herrscher steht über dem Gesetz.
  2. Das Gesetz gilt auf der Insel und allen Schiffen unter der Flagge Mintarns.
  3. Wer seine Stimme erhebt und schlecht über unseren Tyrannen spricht, das Volk aufwiegelt, für Aufruhr sorgt oder sich an Krawallen beteiligt, wird wenigstens sein Hab und Gut einbüßen, öffentlich ausgepeitscht und erhängt werden.
  4. Wer dem Gesetz zuwider handelt oder sich der Mittäterschaft schuldig macht, wird umgehend bestraft. Die Härte der Bestrafung wird von der Gerichtsbarkeit festgelegt und umgehend vollstreckt. Öffentliche Strafen erfolgen ab dem nächsten Tag zur Mittagsstunde.
  5. Der Arm des Gesetzes ist die Wache und das von der Wache für die Sicherheit bestellte Personal.
  6. Jeder Bürger über dem Alter von 15 Sommern kann zur Verteidigung der Stadt und der Ländereien herangezogen werden. Wer sich widersetzt, wird für vogelfrei erklärt und mit dem Tode bestraft.
  7. Gotteslästerung, Ketzerei, Schändung von Schreinen und Tempeln oder Grabräuberei werden mit Geldstrafe, Schadensersatzzahlungen, Auspeitschen, sowie Inhaftierung und Brandmarkung bestraft. Eine anschließende Bestrafung durch den Tempel oder Klerus der Gottheit ist zulässig und gewünscht.
  8. Missetäter, die sich den Weisungen ihres Besseren widersetzt, respektlos gegenüber anerkanntem Adel oder Geistlichen auftreten oder Widerstand bei der Ergreifung leisten, haben mit einer Geldstrafe, öffentlichem Auspeitschen, Inhaftierung und Brandmarkung zu rechnen.
  9. Die Wache hat als Vorbildfunktion zu handeln ebenso wie das von der Wache bestellte Personal. Ein Verstoß gegen den abgelegten Eid, Verrat, Befehlsverweigerung oder das Annehmen von Bestechungen wird mit sofortigem Ausschluss aus der Wache, hohen Geldstrafen, Auspeitschen, Brandmarkung oder Verbannung geahndet. Im Fall von Verrat oder Fahnenflucht mit dem Tod durch den Strick.
  10. Verstöße gegen die Gesetze werden auf See grundsätzlich mit Geldstrafen bis hin zum Kielholen des Missetäters im Ermessen des Kapitäns bestraft. Meuterei wird mit dem Tode bestraft.
  11. Unter Angriffe auf Leib und Leben zählt auch die implizite Andeutung von Gewalt oder das Vortäuschen von Gewalttaten zum Zweck der Einschüchterung. Darunter zählen etwa: Bedrohung, Erpressung, Entführung, Mord, Verstümmelung, Tötung. Entsprechend der Schwere der Tat reichen die Strafen von Geldstrafen, Schadensersatzzahlungen bis zum Tod. Auch Schäden die indirekt mit dem Angriff in Verbindung stehen sind vollständig zu begleichen.
  12. Wer die Arbeiten im Hafen, auf öffentlichen Wegen oder in der Nähe der Stadttore behindert, wird eingekerkert und im Falle einer Wegelagerung außerhalb der Stadtmauern öffentlich ausgepeitscht und zur Zwangsarbeit verpflichtet.
  13. Verbrechen gegen Vieh oder Eigentum unter die jedwede Form gewaltfreien Diebstahls fällt, wird mit Geldstrafen, Schadensersatzzahlungen, Auspeitschten und mehreren Tagen im Kerker bestraft. Wiederholungstäter, Brandschatzer erwarten härtere Strafen.
  14. Hinterziehung des Zehntes, Schmuggel, Betrug an Waren, Maßen, Anhäufen von Schulden, Kauf oder Verkauf von Hehlerware wird mit Geldstrafen, Schadensersatzzahlungen, Pranger, öffentlicher Auspeitschung bestraft. Wer seine Schulden nicht begleichen kann, wird zur Zwangsarbeit bis zur Begleichung seiner Schulden verpflichtet.
  15. Wer der Fälschung, Täuschung oder Erpressung überführt wird, muss eine Strafzahlung an die Stadt abgeben und hinters Licht Geführte entschädigen. Mehrfache Zuwiderhandlung wird mit Brandmarkung bestraft oder hat den Verlust von Körperteilen zur Folge.
  16. Verhalten wider die Ehrsamkeit und des Anstands, etwa anstößiges Gebahren, Entblößung in der Öffentlichkeit, Ehebruch oder Inzucht werden mit Geldstrafen, Zurschaustellung in Ketten über mehrere Tage und Auspeitschen sanktioniert.
  17. Einflussnahme auf das Gericht, die Wache oder Personen öffentlichen Ansehens wird mit Strafzahlung, Auspeitschung und Inhaftierung bestraft.
  18. Landstreicher und Bettler sind nicht erwünscht und werden aufgefordert die Insel umgehend zu verlassen. Sollte nicht Folge geleistet werden, so werden sie bis zum Tode zur Zwangsarbeit verpflichtet.

Großer Markt

Wenn sich die See wieder beruhigt hat und nach dem harten Winter wieder mehr Schiffe Freihafen erreichen, der Handel wieder aufblüht und die Insel aus ihrem Winterschlaf erwacht, dann dauert es nicht lange, bis der große Markt eröffnet. Eigentlich ist es auch kein richtiges Fest, aber mit den Jahren wurde das Notwendige mit dem Angenehmen verknüpft und so dient der Große Markt neben Viehauktionen, der Anschaffung neuer Werkzeuge und Saatgut den besser gestellten der Gesellschaft dazu, sich zu vergnügen und die neusten Errungenschaften, hauptsächlich modische Kleidungsstücke, zur Schau zu stellen. Es kommt nicht selten vor, dass an diesen Festtagen auch Gaukler, Scharlatane und Barden auftreten und die Masse unterhalten. In längst vergangenen Zeiten wurde das Fest auch von der Söldnerakademie genutzt, um sich zu präsentieren und die eigenen Reihen zu stärken.

Erntefest

Spät im Jahr, wenn die Ernte weitgehend eingeholt ist, die Säcke voll Korn sich vor den Mühlen stapeln, die Lager für den nahenden Winter gefüllt werden, das frische Hopfenbräu die Humpen füllt und die Bäume beginnen ihre Blätter zu verfärben, steht das Erntefest vor der Tür. Analog zu dem Fest auf dem Land, bei dem die Bauern ihren verschiedenen Bräuchen nachgehen und bei dem Chauntea selbstverständlich eine große Rolle spielt, wird in der Stadt ausgelassen zelebriert und gespeist.

Maskenball

Einmal im Jahr, wenn heftige Stürme über die Insel fegen, sich an der Küste hohe Wellen auftürmen und die meisten Bürger in ihren Behausungen Schutz vor dem Winter suchen, dann lädt der Tyrann den Adel zu Tanz, Gesang und Unterhaltung in seine Festsäle. Der Zeitpunkt variiert etwas und richtetet sich hauptsächlich nach der Laune des Tyrannen. Es hat sich eingebürgert, dass Boten nur wenige Tage vorher die Einladungen überreichen. Neben dem Adel werden auch nur für das Fest diverse Unterhalter und Bedienstete angestellt, wodurch sich das geschäftige Treiben kaum verbergen lässt, aber der genaue Zeitpunkt ist ein wohlgehütetes Geheimnis. Für einen Teil der Bevölkerung, für die der Winter und das damit verbundene Wetter ihre Arbeit erschwert, sind es leicht verdiente Münzen am Hof und für den Adel eine Möglichkeit standesgemäß zu feiern abseits des Trubels.

Meer der Lichter

Man erzählt sich, dass einst der stolze Besitzer der größten Werft einen Sohn nach dem anderen verlor. Wie auf Mintarn üblich waren sie allesamt in die Fußstapfen ihres Vaters getreten oder dienten als Söldner in einem fremden Land. Als er die Nachricht bekam, dass das Schiff mit seinem letzten verbliebenen Sohn Tiefwasser vor Monaten verlassen hatte, aber nie Freihafen erreichte, zog er sich zurück. Die Legende besagt, dass er ein ganzes Jahr voll Trauer sein Anwesen nicht verließ. Manche behaupten sogar er hätte sich ein Jahr lang in einem Flügel eingeschlossen. Nach einem Jahr wurde er erst wieder von einer lebenden Seele gesehen: Mit einem kleinen Holzboot im Schlepptau ging er in Richtung Meer. Wenig später soll er es ausgeschmückt haben mit Stroh, Rosen, Lilien und Callas und Ästen aus Eiche, Lärche und Fichte. Zu guter Letzt entzündete er eine Fackel und watete mit dem kleinen Boot ins Meer, bis ihm das Wasser bis zur Brust stand. Dann legte er die brennende Fackel auf das Boot und stieß es von sich fort. Es dauert etwas, bis das Boot von der Strömung mitgenommen wurde und so schaute er ihm sehr lange im Wasser verbleibend nach, bis er sich schließlich auf den kleinen Deich setzte und den kleinen hellen Punkt verfolgte. Doch ohne dass er es wahrgenommen hatte, regte sich Leben um ihn und waren es doch nur keine kleinen Boote, kaum mehr als Holzschalen mit einer Kerze, so füllte sich die See vor ihm in ein Lichtermeer. Immer mehr Menschen schlossen sich ihm an und so geschieht es, dass jedes Jahr zur gleichen Zeit im kleinen Kreis der Toten, Vermissten und derer gedacht wird, die nicht mehr auf Mintarn weilen. In den letzten Jahrzehnten ist es zur Sitte geworden, dass neben den verschiedensten Booten auch Himmels-Lampions benutzt werden. Aufgrund des hohen Preises ist dies jedoch meist den besser situierten Bewohnern Mintars, meist dem Adel, vorbehalten. Es dauert etwas, bis das Boot von der Strömung mitgenommen wurde und so schaute er ihm sehr lange im Wasser verbleibend nach, bis er sich schließlich auf den kleinen Deich setzte und den kleinen hellen Punkt verfolgte. Doch ohne dass er es wahrgenommen hatte, regte sich Leben um ihn und waren es doch nur keine kleinen Boote, kaum mehr als Holzschalen mit einer Kerze, so füllte sich die See vor ihm in ein Lichtermeer. Immer mehr Menschen schlossen sich ihm an und so geschieht es, dass jedes Jahr zur gleichen Zeit im kleinen Kreis der Toten, Vermissten und derer gedacht wird, die nicht mehr auf Mintarn weilen. In den letzten Jahrzehnten ist es zur Sitte geworden, dass neben den verschiedensten Booten auch Himmels-Lampions benutzt werden. Aufgrund des hohen Preises ist dies jedoch meist den besser situierten Bewohnern Mintars, meist dem Adel, vorbehalten.

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  • by sonnenfeuer